Der Schöpfer als Gastgeber – Clemenstag 2022

Wittem. Clemenstag – was ist das überhaupt? Jährlich findet der Tag abwechselnd an einem anderen Ort in der Provinz statt. Hier treffen sich Mitglieder der redemptoristischen Familie unserer Redemptoristenprovinz St. Clemens.In diesem Jahr fand der Clemenstag unter dem Motto „Der Schöpfer als Gastgeber“ im Kloster Wittem in den Niederlanden statt.
 
Gleich beim Betreten des Gebäudes konnten die Besuchenden die renovierten Räumlichkeiten bestaunen. Sowohl der neue Klosterladen, als auch das Forum „Scala“ erstrahlen seit einigen Monaten im neuen Glanz. Passend hierzu erläuterte Jelle Wind vom Kloster Wittem die Umbaumaßnahmen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Pater Provinzial Jan Hafmans begann Tjirk van der Ziel mit dem einleitenden Vortrag. In den nächsten 45 Minuten zeigte van der Ziel den Zuhörenden einige Interessante Punkte zum Nachdenken auf.
Einleitend berichtete er von einem kleinen Obst- und Gemüsehändler aus den Niederlanden, der trotz seines Fachwissens und seiner Expertise im Preiskampf mit dem ortsansässigen Supermarkt nicht mithalten kann und seinen kleinen Laden schließlich schließen muss. Verursacher und Leidtragender zugleich ist der Kunde bzw. der Verbraucher.
Im nächsten Beispiel geht es um Tomaten. Über 15.000 Sorten gebe es laut van der Ziel weltweit – doch im letzten Jahrhundert konzentrierte man sich auf große Monokulturen. Dies sei effizienter und senke die Preise für die Unternehmen. Was bleibt ist eine gleichaussehende und gleichschmecke Tomate für den Kunden auf der einen Seite und rund 93% vom Aussterben bedrohte Tomaten auf der anderen Seite.
Aber auch andere Dinge spiegeln die Einstellung der Menschen zur Natur wider. Wissen wurde und wird seitjeher über Sprache – ob mündlich der schriftlich – weitergegeben. Hierbei ist es wichtig Dinge genau benennen zu können. Als Beispiel ist hier die Bibel zu nennen. Wer hätte gedacht, dass hier beispielweise 93 Namen verschiedener Tier- und Vogelarten oder 151 Namen von Pflanzen und Bäumen vorkommen?


Doch zunehmend verschwinden Wörter und damit auch ihre Bedeutung aus dem Sprachgebrauch, Kinder können oft nur sagen, dass es ein Baum oder ein Vogel ist, die genaue Bezeichnung ist ihnen unbekannt. Hier gebe es laut van der Ziel eine Wechselwirkung: „Wenn wir keine Worte für etwas haben, ist es schwer, etwas zu unterscheiden, zu interpretieren, zu verstehen, zu wissen, daraus zu lernen, es zu schätzen.“
Wir wissen heute mehr denn je über unsere Welt und wie sie funktioniert, wir haben verstanden, dass wir nachhaltig handeln müssen, um unseren Planeten zu schützen. Dies beschreiben auch die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Hier weist van der Ziel auf ein Ungleichgewicht hin: der Mensch und seine Belange werden viel häufiger aufgeführt als Tiere oder Pflanzen. Man wisse zwar um den Wert der Natur, dennoch wird sie auf ihren Nutzen für den Menschen reduziert.
Außerdem sei es für die meisten Menschen schwierig wissenschaftliche Ergebnisse zu verstehen. Hierzu brauche man emotionale Geschichten, etwa die des Gemüsehändlers, die uns einen Anstoß gibt, über unser Handeln nachzudenken. Die Bibel stelle oft dramatische und emotionale Bilder dar. Die Geschichten der Bibel findet man oftmals in anderer Form auch in modernen Geschichten wieder. Ein Professor der Universität von East Anglia verglich etwa den Klimawandel mit Narrativen aus der Bibel. So zum Beispiel „Trauer über Eden“: Wir sehnen uns nach der Zeit, als die Welt „noch in Ordnung war“. Gleichzeitig wird der als drohende Katastrophe gesehen, die ein schnelles Handeln erfordert, also die „Vorhersage der Apokalypse“. Diese Narrative ließen sich genauso gut auf Lebensmittel anwenden. In der Bibel sei Nahrung die Lebensgrundlage allen Lebens auf der Erde, Mensch und Tier essen dieselben Dinge. Essen sei auch eine Auseinandersetzung mit der Natur und ihrer Schöpfung. Der Mensch bestimme selbst, wie er damit umgeht und dem Schöpfer als Gastgeber dankt.
 
Nach dem Vortrag stellen die einzelnen Standorte der Provinz mittels kurzer Videoclips vor, wie sie bereits jetzt versuchen nachhaltig zu handeln. Hier war sicherlich die eine oder andere Inspiration dabei, die die Besuchenden nach der Veranstaltung mitnahmen. Bei einer Ideenbörse konnten sich die Besuchenden aktiv einbringen und Impulse für nachhaltiges Handeln geben.
In der Mittagspause gab es – passend zum Thema des Tages – ein leckeres Mittagessen, bei deren Zubereitung besonderes auf nachhaltige Lebensmittel geachtet wurde.


Am Nachmittag gab es die Möglichkeit an einer Gesprächsrunde, basierend auf dem Vortrag vom Vormittag, an einer Klosterführung oder einem meditativen Spaziergang teilzunehmen. Im anschließenden Plenum wurden die Ergebnisse der Ideenbörse präsentiert. Abschließend fand in der Klosterkirche ein zweisprachiger Wortgottesdienst statt.
 
Dr. Eric Corsius, Mitarbeiter der Provinzleitung, der den Tag moderierte, zeigte sich sehr zufrieden: „In unserer Kongregation nehmen die Themen Bewahrung der Schöpfung, Klimawandel und Nachhaltigkeit einen immer größeren Stellenwert ein. Die Sensibilisierung für diese Themen erfordert auch ein neues Nachdenken über unseren Lebensstil, unsere Ökonomie und unseren Konsum – Themen, die eigentlich im klösterlichen Leben schon immer Beachtung fanden. Der heutige Tag hat sicherlich dazu beigetragen, dieses wichtige Thema in den Fokus zu nehmen.“
 
Auch wenn der Clemenstag 2022 vorbei ist und der Clemenstag 2023 wieder unter einem neuen Motto stehen wird, so wird uns das Thema in der nächsten Zeit sicher häufig beschäftigen.